„my burger“ von McDonald’s im Test

Gepostet von
3. Mai 2016

McDonald’s-Restaurantkritik: Papablogger Georg Lux und Tochter Lucia wollten wissen, wie die neue Aktion „my burger“ funktioniert und erlebten einige Überraschungen.

Von Georg Lux*

Vorweg: Obwohl ich seit Ende des Vorjahres ausschließlich zum Kaffeetrinken bei McDonald’s (Konzerndeutsch: im McCafé) gewesen bin, würde ich mich als zufriedenen Kunden bezeichnen. Das freie WLAN schickt und empfängt Daten zwar nur im Schneckentempo, aber man kommt ja nicht zum Videostreamen her.

Zurück zu meinem guten Vorsatz „Ich esse kein Fast Food mehr“, den ich am heutigen 3. Mai 2016 gebrochen habe. Schuld ist ein Plakat der Aktion „my burger“, das mich am Vortag Dr. Google befragen ließ. Ergebnis: McDonald’s Österreich bietet ab 3. Mai in mehr als 100 der insgesamt 196 Filialen individuelle Burger an. Kunden können Basisprodukte mit bis zu 30 Zutaten belegen und so ihr eigenes Wunschlaberl kreieren.

Als Fan der abseits großer Ketten in den USA gepflegten Burger-Kultur wollte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Der Restaurantfinder auf der „my burger“-Webseite führte meine zehnjährige Tochter Lucia und mich am ersten Tag der Aktion ins McDonald’s-Restaurant auf dem Villacher Hauptplatz.

Einschub, um Grundsatzdiskussionen vorzubeugen: Auch Lucia war schon länger nicht mehr bei McDonald’s. Und: Ja, ich bin mir bewusst, dass ein Ausflug dieser Art pädagogisch nicht besonders wertvoll ist. Das gilt aber gleichermaßen für einen 1.-Mai-Aufmarsch, wenn man sich anhört, was die Parteien so von sich geben.

Tipp

Zurück zu McDonald’s, wo die „my burger“-Bestellung ausschließlich über die neuen Terminals erfolgt. Vor dem Riesen-Touchscreen, der aus unerklärlichen Gründen „Kiosk“ heißt, wird uns rasch klar: Die Wunschburger sind keine Schnäppchen. Jedes Extra, das man mit einem Klick hinzufügen kann, kostet: Bacon zum Beispiel 0,80 Euro oder Cheddar 0,60 Euro. Ein Entfernen der vorgegebenen Zutaten ist möglich, es ändert am Grundpreis allerdings nichts. Daher ist es – zumindest in unserem aktuellen Geschmacksfall – günstiger, den billigsten und auf gut Österreichisch „nackertsten“ Basisburger zu nehmen und auf diesem belegungs- und finanztechnisch aufzubauen.

Kein McMenü mehr

Nach der Kreation unserer Burger wollen wir noch ein McMenü bestellen (6er-Nuggets, Pommes, Getränk), doch das gibt es nicht mehr! Die Menüs sind, wie ein Mitarbeiter einer erstaunten Familie am Terminal nebenan gerade erklärt, abgeschafft worden. Angeblich, so lese ich später im Internet, habe man die Einzelpreise der Produkte so angepasst, dass sich der Gesamtpreis bei einer Kombination der bisherigen McMenü-Bestandteile nicht verändert hat. Wegen fehlender Unterlagen (wer hebt schon alte „Mäci“-Rechnungen auf?) kann ich das aber nicht überprüfen. Mit Protesten hat man im Konzern gerechnet, deshalb steht auf meiner Rechnung, die der Terminal ausspuckt, gleich unter „Betrag dankend erhalten“ der kryptische Satz ohne Umlaute „Menuepreisvorteil beim Getraenk“.

Die falschen Burger

Unsere Rechnung macht für 2 individuelle Burger, 6er-Nuggets, große Pommes, 1 Mineral und 1 Fanta schließlich 21,30 Euro aus (Details siehe Foto). Die Zubereitung dauert vier bis fünf Minuten, ich habe nicht mitgestoppt. Weil wir staunend die drei Mitarbeiter beobachten, die das Zubereiten unserer Burger regelrecht zelebrieren, vergeht die Zeit ohnehin wie im Flug.

Bei der Übernahme des Tabletts ist meine gute Laune dahin. Aus beiden Laberln lachen mich Tomaten an – ich habe aber definitiv keine bestellt. „Doch“, widerspricht mir die McDonald’s-Mitarbeiterin auf der anderen Seite der Theke, „Sie haben sie nicht weggeklickt“. Misstrauisch marschiere ich zurück zum Terminal alias „Kiosk“ und rufe noch einmal „meinen“ Basisburger „American Classic“ auf. Weit und breit keine Tomaten! Auch als Zusatzbestellung auf meiner Rechnung finde ich keine.

Meine anschließende Obduktion unserer Burger ergibt, dass Lucia und ich die falschen bekommen habe. Geordert haben wir das Basisprodukt „American Classic“, überreicht hat man uns jedoch „Empire“. Zusätzliche Zutaten wie Lucias Tortilla Chips wurden zum Teil vergessen.

Mit meiner zweiten Reklamation bin ich erfolgreicher. Der Mitarbeiter ist freundlich und entschuldigt sich. Lucia bekommt einen neuen Burger – diesmal ist es der absolut richtige. Dazu gibt’s eine Apfeltasche auf Kosten des Hauses. Ich esse meinen Burger, den ich von den nicht bestellten Tomaten und Zwiebelringen befreit habe, auf. Er ist nicht „my burger“, schmeckt aber, wie nicht anders zu erwarten, einwandfrei und markanter als seine Kollegen von der Stange.

„Falscher Burger, falsches Essen, wird man so schnell nicht vergessen“, reimt Lucia fröhlich. Ich sehe das nicht so tragisch und erzähle auf der Heimfahrt meinem Blogger-Kollegen Helmuth Weichselbraun („Geheimnisvolle Unterwelt“) vom Missgeschick bei McDonald’s. Er hört mir nur zu, um anschließend von seinen eigenen Problemen zu berichten. Die Weichselbrauns renovieren. Und die Maler haben ihr Haus heute in der falschen Farbe angestrichen. „Bestellt habe ich eine ganz andere“, klagt Helmuth. Ich verkneife mir die Frage, ob es eine Aktion war, die den Titel „my color“ hatte.

* Der Journalist und Autor Georg Lux schreibt seit 2007 über das Leben mit seiner Tochter Lucia (geboren 2005). Die Kolumnen und Blogs sind u. a. in der WOCHE Kärnten, auf www.typischich.at und auf www.wiener-online.at erschienen.

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