Vom Bergbauernhof auf Stadtrichterbühne: Otto Konrad feiert seinen 90er

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3. März 2026

Wenn Otto Konrad über sein Leben spricht, wirkt es weniger wie eine Erzählung als wie ein Strom aus Erinnerungen. Kaum hat man eine Geschichte gehört, folgt schon die nächste. Der heute 90-Jährige blickt auf ein Leben zurück, das ihn vom Lavanttaler Bergbauernhof bis in die Säle europäischer Adelshäuser geführt hat – und schließlich wieder nach Klagenfurt.

Geboren wurde Konrad am 4. März 1936 auf einem Bergbauernhof in Schönberg im Lavanttal. Die Familie war groß: zehn Kinder, sechs Buben und vier Mädchen. Der Vater zog als Schuster von Hof zu Hof, die Mutter hielt den Haushalt zusammen. Platz war Mangelware. „Manchmal haben wir zu acht in einem Bett geschlafen“, erinnert sich Konrad. Dennoch habe es an Wichtigem nicht gefehlt – vor allem nicht am Zusammenhalt der Familie.

Otto Konrad mit dem Villacher Prinzenpaar. Foto: DerHandler

Otto Konrad mit dem Villacher Prinzenpaar. Foto: DerHandler

Nach der Schule begann er eine Schneiderlehre – weniger aus Überzeugung als auf Wunsch des Vaters. Eigentlich hätte er lieber Tischler gelernt. Als es zur Lehrabschlussprüfung kam, hielt sich seine Begeisterung in Grenzen: Im theoretischen Teil beantwortete er nur wenige der vielen Fragen. Am Ende überzeugte jedoch sein handwerkliches Geschick. Im praktischen Teil zeigte sich, dass er sein Handwerk beherrschte – und so schloss Otto Konrad die Lehre schließlich doch, wenn auch etwas widerwillig, als Schneider ab.

Otto Konrad

Der nächste Schritt kam eher zufällig zustande. Nach der Kirche im Sommer 1954 stand ein Auto bereit, das nach Klagenfurt fuhr. Otto war noch nie dort gewesen – also stieg er ein. Aus dem spontanen Ausflug wurde ein neuer Lebensabschnitt. Arbeit fand er zunächst in einer Putzerei, später in einer Wäscherei.

Eine weitere Wendung brachte ein Brief seiner Schwester Hilda. Sie arbeitete im Fürstentum Liechtenstein im Umfeld des Hofes und schlug vor, Otto könne dort als Kammerdiener anfangen. Zunächst war ihm der Gedanke nicht geheuer. Doch schließlich machte er sich auf den Weg nach Vaduz – und geriet gleich bei der Einreise in Schwierigkeiten, weil Dialekt und Formalitäten nicht recht zusammenpassten. Am Ende wurde alles geklärt, und wenig später stand er tatsächlich im Schloss. Ab 1958 arbeitete Konrad im Dienst des Fürsten Franz Joseph II. von und zu Liechtenstein. Der Tagesablauf war streng geregelt: Schon um fünf Uhr begann der Arbeitstag, dort erledigte Aufgaben, die hinter den Kulissen eines fürstlichen Haushalts anfallen. In dieser Zeit begegnete er zahlreichen Persönlichkeiten des europäischen Hochadels.

Trotz der besonderen Umgebung zog es Konrad irgendwann wieder zurück nach Kärnten. Das Heimweh nach Dialekt, Liedern und vertrauter Umgebung wurde zu groß. In Klagenfurt fand er Arbeit, zunächst als Hausmeister im Landhaushof, später im Büro der Fremdenpolizei und schließlich im Strafvollzug.

In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Käthe kennen. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für den Behindertensport und ist heute Ehrenpräsidentin von Special Olympics Kärnten. Gemeinsam gingen sie durchs Leben, gründeten eine Familie und halten einander bis heute den Rücken frei.

Bekannt wurde Otto Konrad in Klagenfurt schließlich durch eine ganz andere Bühne: jene der Stadtrichter. Seit 1982 gehört er dem wohltätigen Verein der Stadtrichter zu Clagenfurth an und stand viele Jahre bei Musik- und Tanznummern auf der Bühne. Heute, mit 90, ist er noch immer Teil der Gemeinschaft – allerdings eher hinter den Kulissen. Beim „Stadtgerücht“ hilft er in der Garderobe, und wenn die Stadtrichter bei Veranstaltungen auftreten, ist der „Rüstie“ Otto auch heute noch gerne im Ornat mit dabei.

Otto Konrad, Stadtrichter wird 90 Jahre alt. Am Altstadtzauber Flohmarkt.

Otto Konrad am Flohmarkt.

Besonders im Sommer zeigt sich, wie viel Energie in ihm steckt. Beim Altstadtzauber auf dem Flohmarktgelände gehört Otto Konrad noch immer zu den Fleißigsten beim Spendensammeln. Selbst in der heißen Augustsonne ist er dort anzutreffen – verlässlich, gut gelaunt und mit jener Ruhe, die ihn seit Jahrzehnten auszeichnet.

Wer Otto Konrad begegnet, trifft auf einen herzlichen, freundlichen und durch und durch positiven Menschen. Ein Lächeln liegt ihm fast immer auf den Lippen. Vielleicht ist es genau diese Art, die ihn bei seinen Stadtrichter-Kollegen seit Jahrzehnten so beliebt macht.