Wer Klagenfurt am Wörthersee besucht und sich für Kultur interessiert, sollte derzeit einen Abstecher ins Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) einplanen. Denn mit der Ausstellung SUBJEKT.FRAU.OBJEKT eröffnet sich hier ein eindrucksvoller, dezidiert feministischer Blick auf die seit 1933 aufgebaute Sammlung des Landes.
Bis heute besteht diese Sammlung zu zwei Dritteln aus männlichen Positionen – weibliche Künstlerinnen wurden erst seit den 1950er-Jahren dokumentiert, meist nur mit wenigen Arbeiten. Viele blieben gänzlich unberücksichtigt. SUBJEKT.FRAU.OBJEKT setzt dieser Leerstelle etwas entgegen: 31 Künstlerinnen treten mit ihren Werken auf, ergänzt durch neun Konfrontationen mit männlichen Arbeiten. Namen wie Maria Lassnig, Kiki Kogelnik, Ines Doujak oder Elisabeth Guttenberg-Sterneck stehen für ein Panorama, das über Kärnten hinausweist.
Thematische Räume statt geschlossener Geschichte
Ursprünglich war geplant, eine chronologische Geschichte weiblicher Kunst in Kärnten zu erzählen. Doch wie MMKK-Direktorin Christine Wetzlinger-Grundnig erklärte, waren die Lücken zu groß. Stattdessen entschieden sich die Kuratorinnen für eine thematische Gliederung: Identität und Rolle, Körper und Wahrnehmung, Unterdrückung und Ausbeutung, Selbstermächtigung und Emanzipation, Sexualität und Begehren, Subjektentwürfe und Empowerment.
Begleitend vertiefen Zitate bedeutender Feministinnen die kulturgeschichtliche Einordnung. Im Zentrum steht der weibliche Körper – nicht nur als künstlerisches Motiv, sondern auch als Träger spezifischer Erfahrungen, als Instrument und Projektionsfläche. „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“, dieses berühmte Zitat von Simone de Beauvoir stellte Kuratorin Ute Liepold in den Mittelpunkt. Für sie ist die Ausstellung nicht nur eine Schau, sondern eine Intervention – und ein Beleg für das enorme künstlerische Potenzial von Frauen, auf das Kärnten stolz sein könne.
Ein Abend mit vielen Stimmen
Die Eröffnung am Mittwochabend übernahm Landeshauptmann und Kulturreferent Peter Kaiser. Für ihn ist SUBJEKT.FRAU.OBJEKT „mehr als kritisches Hinterfragen des eigenen Gewordenseins und Seins“. Die Schau sei ein starkes gesellschaftliches Zeichen, ein Kampf gegen Ungerechtigkeiten und Rollenklischees. Kaiser verwies auf Initiativen wie das Ingeborg Bachmann Haus und das Maria Lassnig Atelier, die zeigten, dass Frauen in Kunst und Kultur heute einen hohen Stellenwert einnehmen.
Viele der beteiligten Künstlerinnen waren persönlich anwesend, ihre Präsenz verlieh der Eröffnung spürbare Intensität. Wetzlinger-Grundnig machte deutlich, dass zwar inzwischen beim Ankauf stärker auf Künstlerinnen geachtet werde, der Kunstmarkt aber weiterhin von Männern dominiert sei.
Parallelprogramm
Parallel zur feministischen Hauptschau präsentiert das MMKK im Rahmen von fokus sammlung. MEISTERWERKE bedeutende Kärntner Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – eine Gegenüberstellung, die sichtbar macht, wie lange weibliche Positionen fehlten und warum es diese Ausstellung heute braucht.
SUBJEKT.FRAU.OBJEKT ist bis 15. Februar 2026 im Museum Moderner Kunst Kärnten in Klagenfurt zu sehen.
Fotos: Landespressedienst Kärnten/Wolfgang Handler
















