„Kärntens Heimkehr ins Reich“ im Depot des kärnten.museums

Gepostet von
12. März 2026

Es ist ein Kunstwerk, das lange nicht gesehen werden sollte. Jahrzehntelang lag es verborgen – zuerst hinter Holzpaneelen im Kärntner Landtag, später an einem geheim gehaltenen Ort. Nun befindet sich das Fresko „Kärntens Heimkehr ins Reich“ von Switbert Lobisser im Sammlungs- und Wissenschaftszentrum des kärnten.museums. Dort wird es nicht ausgestellt, sondern als historisches Dokument aufbewahrt.

Ein Bildprogramm für den Landtag

Switbert Lobisser hatte bereits zuvor den Bildschmuck des Kärntner Landtags geprägt. 1928 entstand für den Sitzungssaal das Fresko „Abwehrkampf und Volksabstimmung“. Ein Figurenfries erzählt darin in drei Szenen eine politische Erzählung Kärntens. Links greifen Soldaten, die soeben aus dem Weltkrieg heimgekehrt sind, erneut zu den Waffen, um das Land gegen südslawische Truppen zu verteidigen. Im Mittelteil stehen Menschen zusammen, verbunden durch Not und Hoffnung, und stimmen für ein gemeinsames Kärnten. Rechts schließlich feiern Jung und Alt das Ergebnis der Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920.

Das Fresko von 1938

Zehn Jahre später kam ein weiteres Wandbild hinzu. 1938 erweiterte Lobisser im Auftrag des nationalsozialistischen Innenministers Wilhelm Frick den Bildschmuck um das Fresko „Kärntens Heimkehr ins Reich“. Das Motiv zeigt einen sogenannten Treueschwur: Menschen in Tracht stehen unter einer Hakenkreuzstandarte und leisten den Hitlergruß. Das Bild ist eine propagandistische Darstellung des Anschlusses Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich.

Versteckt nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand das Fresko aus dem öffentlichen Blick. Es wurde übermalt und hinter Holzpaneelen im Landtag verborgen. Jahrzehntelang blieb es dort verborgen, bis es im Jahr 2000 bei Arbeiten im Sitzungssaal wiederentdeckt wurde. Die Diskussion über den Umgang mit dem Werk war heftig. Schließlich wurde das Fresko abgetragen und an einem nicht öffentlich genannten Ort eingelagert.

Das 1938 im Kontext des nationalsozialistischen Regimes von Switbert Lobisser geschaffene Fresko „Kärntens Heimkehr ins Reich“ wurde heute in das Zentraldepot des Landesmuseums überstellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übermalt und jahrzehntelang verborgen, wurde das Fresko erst im Jahr 2000 „wiederentdeckt“ und nach heftigen Kontroversen aus dem Sitzungssaal des Kärntner Landtags entfernt. Foto: km / R. Orter-Jerney

Das 1938 im Kontext des nationalsozialistischen Regimes von Switbert Lobisser geschaffene Fresko „Kärntens Heimkehr ins Reich“ wurde heute in das Zentraldepot des Landesmuseums überstellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übermalt und jahrzehntelang verborgen, wurde das Fresko erst im Jahr 2000 „wiederentdeckt“ und nach heftigen Kontroversen aus dem Sitzungssaal des Kärntner Landtags entfernt. Foto: km / R. Orter-Jerney

Ein Zeitzeugnis im Depot

Heute befindet sich das Wandbild im Sammlungs- und Wissenschaftszentrum des kärnten.museums. Dort wird es dauerhaft verwahrt. Die Überstellung erfolgte als Teil der Dokumentation dieser historischen Phase.

Landtagspräsident Andreas Scherwitzl begleitete den Prozess und betonte, dass mit der Einlagerung ein wichtiger Schritt für die ordnungsgemäße Aufbewahrung des Objekts gesetzt worden sei.

Dass das Fresko so lange keinen geeigneten Depotplatz hatte, lag auch an praktischen Gründen: Anfang der 2000er-Jahre verfügte das damalige Kärntner Landesmuseum über keine entsprechenden Depotflächen. Auch die Landesgalerie – das heutige Museum Moderner Kunst Kärnten – befand sich damals im Umbau.

Der Künstler Switbert Lobisser

Switbert Lobisser wurde 1878 in Tiffen geboren. Als Leo Lobisser trat er nach der Matura in das Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal ein und nahm den Ordensnamen Switbert an. Nach Studien der Theologie in Salzburg und Rom wurde er 1903 zum Priester geweiht.

Später studierte er an der Wiener Akademie der bildenden Künste und unterrichtete als Kunsterzieher im Stiftsgymnasium St. Paul. In den 1920er-Jahren machte er sich mit Wandmalereien und Holzschnitten einen Namen.

Sein Leben änderte sich, als er eine Beziehung mit Eva Luise Bleymaier einging. Lobisser verließ den Orden, wurde 1932 in den Laienstand versetzt und widmete sich fortan vollständig seiner künstlerischen Arbeit.

Lobisser und der Nationalsozialismus

In der NS-Zeit passten Lobissers Arbeiten gut in das ideologische Bild der Machthaber. Motive wie bäuerliche Bodenständigkeit, Heimat und Mutterideal wurden von der nationalsozialistischen Kulturpolitik aufgegriffen und propagandistisch genutzt. Lobisser war Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste und nahm an zahlreichen großen Ausstellungen im Deutschen Reich teil. Auch führende NS-Funktionäre erwarben seine Werke. 1940 bestätigte er seine Mitgliedschaft in der NSDAP. Switbert Lobisser starb 1943 in Klagenfurt.

Heute gilt das Fresko „Kärntens Heimkehr ins Reich“ weniger als Kunstwerk im klassischen Sinn, sondern als historisches Dokument – ein Bild, das zeigt, wie eng Kunst und Politik in bestimmten Zeiten miteinander verbunden sein können. Im Depot des kärnten.museums bleibt es als Zeugnis dieser Geschichte erhalten.