Im Klagenfurter Fleischkompetenzzentrum in der Lastenstraße steht diese Woche alles im Zeichen österreichischer Spezialitäten: Wurst- und Fleischwaren werden verkostet, bewertet und prämiert. Zum 25. Mal richtet die Bundesinnung der Lebensmittelgewerbe den internationalen Wettbewerb aus – ein Jubiläum, das zeigt, wie sehr sich der Bewerb in einem Vierteljahrhundert etabliert hat.
Internationales Teilnehmerfeld
Die eingereichten Produkte stammen vorwiegend aus Österreich, doch auch internationale Beteiligung ist spürbar. „Wir sind sehr stolz, dass wir heuer über 40 Produkte aus Deutschland bekommen haben – und sogar aus Neuseeland sind Einsendungen dabei“, sagte Raimund Plautz, Innungsmeister der österreichischen Fleischer. Mit Joachim Lederer, dem Landesinnungsmeister aus Baden-Württemberg, sei zudem ein hochrangiger Kollege in der Jury vertreten. „Das zeigt, welche Bedeutung dieser Wettbewerb inzwischen hat.“
Verkostungen mit Publikum
Neben der Fachjury waren auch andere Gäste eingebunden. So nahmen Schülerinnen und Schüler der HTL Lastenstraße gemeinsam mit ihrem Lehrer Andreas Schimpl an einer Verkostung teil und erhielten einen direkten Einblick in die Vielfalt der eingereichten Produkte.
Auch Persönlichkeiten aus Wirtschaft und öffentlichem Leben konnten sich bei einer Verkostung ein Bild machen.
Zusätzlich trat eine Promi-Jury zusammen, die sich durch die Spezialitäten kostete. Mit dabei waren Altlandesinnungsmeister Robert Rotter, Boxerlegende Joe „Tiger“ Pachler, Stadtrichter und Kanzler Siegfried Torta, Musiker Charly Kaiser, Innungsmeister Raimund Plautz, Astrid Legner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten, Amtstierarzt Ignaz Zitterer, Martin Vallant (Innungsmeister Lebensmittelgewerbe), Bernhard Hartmann (Tech Forum), Burggraf Willi Noll sowie KAC-Legende Hans Schaunig.

Die Promi-Jury: Altlandesinnungsmeister Robert Rotter, Boxerlegende Joe „Tiger“ Pachler, Stadtrichter und Kanzler Siegfried Torta, Musiker Charly Kaiser, Innungsmeister Raimund Plautz, Astrid Legner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten, Amtstierarzt Ignaz Zitterer, Martin Vallant (Innungsmeister Lebensmittelgewerbe), Bernhard Hartmann (Tech Forum), Burggraf Willi Noll und KAC-Legende Hans Schaunig. Fotos: DerHandler
Tradition unter Druck
Trotz des Jubiläums wies Plautz auf die schwierige Lage hin: „Viele kleine Fleischereien verschwinden, weil es keine Nachfolger mehr gibt, die bereit sind, Verantwortung und Risiko zu übernehmen. Unsere kleinen Betriebe brauchen faire Voraussetzungen – sonst verlieren wir auch jene, die eigentlich weitermachen wollen.“
Besonders in Kärnten sei der Rückgang deutlich: Von rund hundert Mitgliedsbetrieben seien nur noch etwa zwei Dutzend klassische Fleischereien mit eigener Produktion übrig geblieben. Über 90 Prozent des Frischfleischs werde inzwischen über vier große Handelsketten verkauft. „Wenn wir diese Familienbetriebe verlieren, verlieren wir nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch ein Stück österreichische Identität.“
Handwerk zwischen Tradition und Innovation
Anka Lorencz, Bundesinnungsgeschäftsführerin, betonte, dass das Handwerk nicht in der Vergangenheit stehen bleibe: „Unsere Fleischer sind nicht Bewahrer von Asche, sondern Gestalter der Zukunft. Es sind die kleinen Familienbetriebe im ganzen Land, die Nahversorgung sichern – oft dort, wo es sonst keinen Laden mehr gibt.“
Mit einer neuen Spezialisierung in Fleischtechnologie sollen junge Menschen künftig zusätzliche Perspektiven in Produktinnovation und Qualitätsmanagement erhalten. „Wir richten den Blick nach vorne.“
Politisches Signal
Auch die Landespolitik unterstrich die Bedeutung des Bewerbs. Landeshauptmann Peter Kaiser sprach von „einem Ereignis von großer Bedeutung“. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation sei es wichtig, den Stellenwert der Branche zu betonen: „Bei Fleisch- und Wurstwaren reden wir über wesentliche Nahrungsmittel – deshalb ist das öffentliche, politische Interesse besonders hoch.“
Landesrat Martin Gruber ergänzte: „Als zuständiger Landesrat, aber auch als praktizierender Schweinebauer, weiß ich, wie wichtig dieses Handwerk ist – von der Urproduktion bis zur Veredelung. Wettbewerbe wie dieser machen sichtbar, mit wie viel Arbeit, Risiko und Motivation die Betriebe ihre Produkte herstellen. Mit Maßnahmen wie der Regionalitätscharta, die den Einsatz heimischer Lebensmittel auch in öffentlichen Einrichtungen stärkt, schaffen wir Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze. Ebenso wichtig ist, dass wir uns klar gegen industriell gefertigtes Laborfleisch positionieren und für natürliche Lebensmittel eintreten.“
Soziale Dimension
Viele der eingereichten Produkte gehen nicht ausschließlich an die Jury. Ein Teil wird sozialen Einrichtungen in Klagenfurt zur Verfügung gestellt – darunter der Sozialmarkt, das Hilfswerk und die Notstrafstelle. Dort kommen sie Menschen zugute, die sich prämiertes Fleisch und Wurst im Alltag kaum leisten könnten.

Raimund Plautz und Bundesinnungsgeschäftsführerin Anka Lorencz brachten die Fleisch- und Wurstspenden persönlich zu Caritas, Hilfswerk, dem Sozialmarkt und zum SOS Kinderdorf. Foto: DerHandler.at
So wird aus einem Wettbewerb der Fachleute mehr als nur ein Leistungsvergleich: Er ist auch ein Signal, dass Fleisch und Wurst Teil eines österreichischen Kulturguts sind – ein Erbe, das bewahrt, weiterentwickelt und geteilt werden muss.














