Klagenfurt steht an einem Punkt, an dem Stadtentwicklung zur politischen Grundsatzentscheidung wird. Es geht um das alte Hallenbad-Areal – und zugleich um eine weit größere Frage: Soll die Stadt künftig selbst bauen können oder weiterhin weitgehend dem Markt überlassen, was entsteht, wo gebaut wird und zu welchen Preisen gewohnt werden kann?
Der Vorstoß kommt von Ronald Rabitsch, Vizebürgermeister und Stadtentwicklungsreferent, gemeinsam mit Beteiligungsreferentin Constance Mochar. Bemerkenswert ist dabei auch der gewählte Kommunikationsweg: Rabitsch richtet sich mit seinen Überlegungen direkt an die Klagenfurterinnen und Klagenfurter – in einem Video auf Facebook, ein unmittelbarer Appell an die Einwohner der Landeshauptstadt.
Inhaltlich geht es um einen grundlegenden Ansatz: Über die IVK, die Immobilien Verwaltung Klagenfurt, soll ein städtischer Bauträger geschaffen werden. Nicht als politisches Prestigeprojekt, sondern als dauerhaftes Instrument, um leistbaren Wohnraum aktiv zu entwickeln.
Rabitsch argumentiert nüchtern. Der Wohnungsmarkt liefere seit Jahren nicht jenes Angebot, das dringend gebraucht werde: Wohnungen mit langfristig leistbaren Mieten, klaren sozialen Kriterien und stabiler Qualität. Kommunaler Wohnbau sei kein Rückgriff auf alte Modelle, sondern ein bewährtes Instrument. Der Blick nach Linz, wo die städtische GWG seit Jahrzehnten für leistbares Wohnen sorgt, zeige, wie wirkungsvoll eine solche Struktur sein kann – ohne große Schlagzeilen, aber mit nachhaltiger Wirkung.
In Klagenfurt, so Rabitsch, wären die Voraussetzungen vorhanden. Die IVK verfüge bereits über fachliches Know-how, gebaut werden könne außerhalb des städtischen Kernbudgets und mit strategischem Zugang. Ein solches Projekt könnte beispielhaft am Hallenbad-Areal in der Gasometergasse entstehen, das aufgrund seiner Lage und Größe als besonders geeignet gilt. Zugleich betont Rabitsch, dass es dabei nicht um einen einzelnen Standort gehe: Auch andere Flächen im Stadtgebiet könne er sich gut für kommunalen Wohnbau vorstellen. Entscheidend sei nicht das konkrete Grundstück, sondern die grundsätzliche Fähigkeit der Stadt, selbst zu gestalten.
Ein eigener städtischer Bauträger würde der Stadt damit nicht nur Handlungsspielraum zurückgeben, sondern auch Kontrolle: über Bauqualität, Zeitpläne und soziale Verantwortung. „Damit schaffen wir Wertschöpfung – und holen Verantwortung zurück in die öffentliche Hand“, so Rabitsch. Zugleich würde regionale Wertschöpfung gestärkt und die Abhängigkeit von kurzfristig orientierten Investoren reduziert. Wohnen würde wieder stärker als öffentliche Aufgabe verstanden – nicht als reines Marktprodukt.
Gleichzeitig wirft der Vorschlag Fragen auf. Kann eine Stadt wie Klagenfurt diese Rolle dauerhaft organisatorisch und finanziell tragen und wie viel Risiko darf öffentliche Hand eingehen, um langfristig Gestaltungsmacht zurückzugewinnen? Rabitsch ist überzeugt, dass weiteres Zuwarten keine Option mehr ist. Jetzt sei der Moment, Klagenfurt wieder handlungsfähig zu machen.
Was meinen Sie?
Finden Sie die Idee eines städtischen Bauträgers grundsätzlich richtig? Soll Klagenfurt künftig selbst bauen – am Hallenbad-Areal und darüber hinaus – oder sollte Wohnbau weiterhin primär dem Markt überlassen bleiben?