Es gibt Orte in Kärnten, die groß auftreten. Und es gibt die Hochrindl. Schon die Auffahrt fühlt sich anders an. Die Straße zieht sich in langen Kurven nach oben, vorbei an Wäldern, kleinen Höfen und immer wieder Aussichtspunkten, bei denen man automatisch langsamer fährt. Irgendwann wird es ruhiger. Weniger Verkehr, weniger Lärm, dafür offene Almflächen und dieser typische Duft nach Zirben und frischer Bergluft. Gemeinsam mit Karin und ihrer Familie haben wir vor Kurzem selbst einen Tag auf der Hochrindl verbracht.
Eigentlich war nur eine kleinere Wanderung geplant. Am Ende waren wir deutlich länger unterwegs als gedacht. „Man bleibt hier einfach ständig irgendwo stehen“, sagt Karin lachend, während ihre Kinder schon wieder am Wegrand etwas entdeckt haben. Und genau das beschreibt die Hochrindl ziemlich gut.
Keine Hektik, kein Gedränge
Schon beim Start fällt auf, wie entspannt hier alles abläuft. Familien richten gemütlich ihre Rucksäcke, Motorradfahrer trinken noch einen Kaffee vor der Weiterfahrt und Wanderer studieren vor den Almhütten ihre Karten.
Die Hochrindl ist nämlich nicht nur bei Wanderern beliebt. Gerade an sonnigen Tagen gehört die Strecke auch zu den schönsten Ausflugszielen für Biker, Cabriofahrer oder Oldtimerfans. Immer wieder hört man Motorräder die Bergstraße hinauffahren, bevor kurze Zeit später wieder Ruhe einkehrt. Trotzdem wirkt hier nichts hektisch oder überlaufen.
„Das ist wahrscheinlich das Angenehmste hier oben“, meint Karin. „Es verteilt sich alles viel besser als in manchen großen Wandergebieten.“
Plötzlich blockieren Kühe den Wanderweg
Die Wege auf der Hochrindl verlaufen oft sanft über die Almen. Keine extremen Steigungen, keine schwierigen Passagen. Dafür ständig Ausblicke über die Kärntner Berge und diese typischen Zirbenwälder, die selbst an warmen Tagen angenehm kühl wirken.
Nach einer guten halben Stunde passiert dann genau das, worauf die Kinder schon die ganze Zeit gehofft haben: Kühe direkt am Wanderweg. Genauer gesagt: mitten darauf. Hinter einer kleinen Kuppe liegt plötzlich eine ganze Gruppe Rinder im Gras, einige stehen direkt neben dem Weg. Die Kinder bleiben sofort stehen und zücken ihre Handys. „Ab da war Wandern kurz Nebensache“, lacht Karin. Trotzdem merkt man schnell, dass man respektvoll bleiben sollte. Vor allem Mutterkühe beobachten sehr genau, was rund um ihre Kälber passiert.
Deshalb gilt auf den Almen:
- Abstand halten
- ruhig vorbeigehen
- Tiere nicht füttern oder angreifen
- Kinder nicht zwischen die Herde laufen lassen
- Hunde möglichst vermeiden oder nur sehr kurz anleinen
Wir warten schließlich einfach ein paar Minuten und gehen mit genügend Abstand vorbei. Ganz ohne Stress. Genau so funktioniert das Miteinander auf der Alm meistens problemlos.
Die Sonne auf 1.600 Metern unterschätzt man schnell
Was an diesem Tag ebenfalls auffällt: Das Wetter in den Bergen kann sich rasch ändern. Beim Losgehen war es noch frisch genug für eine leichte Jacke. Zwei Stunden später brennt die Sonne plötzlich fast ohne Schatten über die Almflächen. „Zum Glück haben wir mehr Wasser mitgenommen als geplant“, sagt Karin und verteilt die letzten Schlucke an die Kinder. Gerade Familien unterschätzen oft, wie anstrengend auch einfache Wanderungen werden können.
Was sich auf der Hochrindl wirklich bewährt:
- feste Wanderschuhe
- Sonnencreme und Kopfbedeckung
- ausreichend Wasser
- eine leichte Regenjacke
- kleine Snacks
- Wechselkleidung für Kinder
Denn auch wenn viele Wege einfach wirken: Gewitter können in Kärnten am Nachmittag schnell entstehen.
Der Kaiserschmarrn schmeckt nach einer Wanderung plötzlich doppelt so gut
Irgendwann meldet sich der Hunger. Und genau dann taucht zwischen den Almwiesen eine Hütte auf. Auf der Hochrindl gehört das fast automatisch zum Wandertag dazu. Mehrere Hütten liegen direkt entlang der Wanderwege, darunter die Hiasl Zirbenhütte, die Herzl Hütte oder die Wugganighütte. Viele Wanderer sitzen dort noch lange in der Sonne, obwohl das Essen längst aufgegessen ist.
Wir bestellen Kasnudeln, eine Brettljause und für die Kinder Kaiserschmarrn. Fünf Minuten später herrscht plötzlich absolute Ruhe am Tisch. „Das passiert zuhause eher selten“, sagt Karin und lacht.
Warum man von der Hochrindl so entspannt heimfährt
Vielleicht liegt es daran, dass die Hochrindl gar nicht versucht, besonders spektakulär zu sein.
- Keine Dauerbeschallung.
- Keine künstlichen Attraktionen.
- Kein Gefühl, ständig etwas erleben zu müssen.
Stattdessen:
- Kuhglocken.
- Wind in den Zirben.
- Kinder, die Stöcke sammeln.
- Und Wanderwege, bei denen man irgendwann aufhört, ständig aufs Handy zu schauen.
Als wir am späten Nachmittag wieder Richtung Tal fahren, schlafen die Kinder bereits auf der Rückbank ein. Karin blickt noch einmal zurück auf die Almen. „Eigentlich ist es genau diese Ruhe, wegen der wir immer wieder herkommen.“




