HISTORY: WÖRTHERSEE-ANEKDOTEN

Gepostet von
1. November 2014

Die Arbeit auf den Schiffen am Wörthersee ist oft nicht immer leicht – aber oftmals auch sehr lustig. Hier eine kleine Sammlung von Geschichten, die Eingang in die Schifffahrtsgeschichte gefunden haben.

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Die Klagenfurter Ostbucht mit Blick Richtung Sekirn

Viele Geschichten und Geschichtchen gibt es über die Schifffahrt am Wörthersee. Die Arbeit auf den Schiffen war immer hart, aber man fand auch Zeit für Spaß. Besonderes „Opfer“ der Späße langgedienter Seefahrer waren immer die „Frischlinge“, also jene jungen Matrosen und Kapitäne die sich erst ihre Sporen verdienen mußten. Hier der erste Teil einer kleinen Sammlung dieser Geschichten aus einer Zeit, als vieles noch einfacher und menschlicher war.

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Ziel des „Fitneß-Tests“: Die Anlegestelle beim Werzer in Pörtschach

Der Fitneß-Test

Zwischen den Anlegestellen Pörtschach Landspitz und Pörtschach Werzer besteht schon immer ein Promenadenweg. Man kann zu Fuß in 15 Minuten (genauso lange, wie die Dampfschiffe für die Strecke um die Schlangeninsel herum brauchten) von einer Anlegestelle zur anderen gelangen. Ein altgedienter Kapitän auf der „Thalia“ machte es sich in den 1960iger Jahren aus Jux zur Regel, neuen Matrosen am ersten Tag einzureden, daß sie einen „Konditionstest“ abzulegen hätten. Dieser bestand darin, die beiden nicht benötigten schweren Anlegetaue der „Thalia“ zu schultern, beim Landspitz auszusteigen und VOR dem Schiff bei der Anlegestelle Werzer zu sein.

Ein junger Matrose, seinen ersten Dienst verrichtend, nahm die Sache sehr ernst, schulterte die Taue und trabte der Promenade entlang im Laufschritt Richtung Anlegestelle Werzer. Der Zufall wollte es, daß auf einer der schönen Hotelterrassen der damalige Direktor der Stadtwerke Klagenfurt (welche die Schifffahrt damals betrieben) seine Gattin zum Essen ausführte. Er staunte nicht schlecht, als er den – ihm bekannten jungen Matrosen – mit den schweren Tauen auf der Promenade vorbeilaufen sah.

Der Direktor sprang auf, hielt den jungen Mann auf und verlangte eine Erklärung – die er auch erhielt.

Die Saga geht, daß der Anpfiff, den einige Mitarbeiter am Abend im Werftbüro erhielten, nicht von schlechten Eltern gewesen sein soll. Die Kondition der Matrosen wird seither nicht mehr überprüft…….

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Im Weg: die „Thalia“

Im Blindflug

Jedes Jahr, so Mitte Mai, tauchen sie auf: die „Ironmänner“ beim Schwimmtraining im Wörthersee. Sie gehören zu einer gefährdeten Spezies, da sie in ihren Neoprenanzügen beim Kraulen unter Wasser bei Tag und vor allem in der Dämmerung für die Schiffsbesatzungen kaum zu sehen sind. Aber auch sie selbst sehen und hören eigentlich nichts – was die Gefahr nicht gerade minimiert.

Ein Kapitän hatte vor einigen Jahren die „Thalia“ gerade am Hauptsteg in Klagenfurt-See für eine Charterfahrt bereitgestellt, als er plötzlich einen dumpfen Schlag gegen die Bordwand vernahm, gefolgt von heftigen Flüchen in einem österreichweit sehr bekannten Dialekt. Als man Nachschau hielt, entdeckte man einen „Ironman“-Schwimmer, der – mangels Sicht und Übersicht – beim Kraulen mit dem Schiff „kollidiert“ war. Auf die Frage des Kapitäns, ob alles in Ordnung sei, wurde dieser mit einigen Sätzen tief aus dem Wasser heraus bedacht, die wir hier nicht wiedergeben wollen. Jedenfalls wurde (mit Beule am Kopf) gewünscht, daß der Herr Kapitän sein Schiff gefälligst woanders hinstellen solle, damit dem Training keine Hindernisse im Wege stehen……..

 

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Ursache für das Mayerholz: die MS „Velden“ (damals noch „Wiesbaden“)

Das „Mayerholz“

Kurz nachdem die neue Schiffswerft in Klagenfurt fertig gestellt war, kam einer der Kapitäne – wir nennen ihn hier Mayer – zum Werftleiter. „Du, die neuen scharfen Ecken der Dockwanne sind ganz schön gefährlich. Da kann einer von unseren jungen, nicht so versierten Kapitänen leicht bei einem Manöver hineinfahren und das Schiff beschädigen. Wir sollten zur Absicherung eine stärkere Holzleiste montieren….“

Der Herr Werftleiter – immer dankbar für innovative Vorschläge – nahm die Anregung auf. Da zu dieser Zeit alle Mitarbeiter der Schifffahrt noch ausgebildete Handwerker waren, übernahm er es selbst, die Holzleiste mit einem Winkeleisen am Beton zu montieren. Die Arbeit war auf der schmalen Kante der Betonwanne nicht einfach. Zuerst mussten Löcher gebohrt werden, dann musste die Leiste samt Holz angeschraubt und justiert werden.
Die Arbeit war schwer und der Herr Werftleiter mühte sich redlich. Ein Fischer sah ihm interessiert von seinem Boot aus zu. Nach einiger Zeit rief er hinüber: „Servus, sag, ist das wegen dem Mayer?“ – „Ja, warum?“ – „No, der ist doch letzte Woche da mit seinem Schiff reingedonnert…….“

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MS „Klagenfurt“ zur Zeit der Funksignale (historische Aufnahme)

Funksignale

In den frühen 1970iger Jahren wurden die Schiffe am Wörthersee mit modernem Sprechfunk ausgestattet, der einen direkten Kontakt zwischen den Schiffen ermöglichte. Natürlich wurde dieses moderne Kommunikationsmittel auch für allerlei Späße eingesetzt. So hatte sich ein eigenes Codewort etabliert, das an andere Schiffe weitergegeben wurde, wenn einer der Kapitäne ein Liebespaar im „Nahkampf“ auf einem Boot am See erspähte, eine Freizeitbeschäftigung, der übrigens auch heute noch sehr gerne nachgegangen wird.

Ein alter Seebär der Flotte machte es sich zur Aufgabe, diese neue Usance der Schifffahrt auch neuen, jungen Kollegen nahe zu bringen. Als nun eines Tages wieder das Codewort samt Position durchgegeben wurde, rief der Kapitän seinen jungen Kollegen in das Steuerhaus und bedeutete ihm, gut Acht zu geben. Das Schiff – die „Klagenfurt“ – näherte sich in Folge langsam dem gesichteten Motorboot, in dem tatsächlich ein Mann und eine Frau in einer klassischen Position der Liebeslust frönten. Als der Mann im Boot das Schiff längsseits wahrnahm, hob er den Kopf und sah dem Kapitän direkt in die Augen. Dieser zuckte zusammen, ließ ein „Servus“ hören, was auch vom Mann im Boot erwidert wurde. Der Kapitän sah wieder nach vorn, nahm mit seinem Schiff wieder Fahrt auf und schickte den jungen Kollegen ohne weitere Erklärung  aus dem Steuerhaus.

Erst später fand der junge Mann heraus, dass der Mann im Boot der Schwiegersohn des Kapitäns gewesen war, die Frau jedoch nicht dessen Tochter…..

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Die „Thalia“ am Steg der alten Werft in Klagenfurt See (historische Aufnahme)

Das „Diensttischtuch“

Diese Anekdote spielt zu der Zeit, als die Straßenbahn noch zum Wörthersee fuhr.

Ein älterer und ein jüngerer Kapitän trafen sich eines Morgens im Aufenthaltsraum der Werft. Der ältere Kapitän war gerade dabei, seine Diensttasche zu ordnen und entnahm dieser ein sorgfältig gebügeltes, zusammengelegtes weißes Tischtuch. Leider wissen wir nicht mehr, wofür er dieses wirklich brauchte; wir wissen aber, was er seinem jüngeren Kollegen schlagfertig antwortete, als dieser ihn auf das Tischtuch ansprach. „Hast Du die neueste Dienstanweisung nicht gelesen? Jeder Kapitän muß ein weißes Tischtuch in seiner Tasche haben, um gegebenenfalls bei besonderen Fahrgästen sofort einen Tisch an Bord ordentlich decken zu können. Der Herr Betriebsleiter wird das übrigens streng kontrollieren!“

Der junge Kollege, in Panik, einen Fehler zu machen, rief sofort über mehrere Umwege (er selbst hatte kein Telefon) seine Frau an, die sich sofort mit dem einzigen weißen Tischtuch des Haushalts in die Straßenbahn setzte und ihrem Mann in die Werft brachte. Dieser führte das Tischtuch nun auch brav über mehrere Wochen in seiner Tasche mit, ohne natürlich kontrolliert zu werden.

Allerdings staunte der Herr Betriebsleiter nicht schlecht, als ihn nach einigen Wochen die Ehefrau des Kapitäns mit der Bitte aufsuchte, doch das „Diensttischtuch“ für einige Tage wieder in häusliche Obhut zu geben, da man die Schwiegereltern zum Essen erwarte und das weiße Tischtuch eben das einzige des Haushalts sei….

Man klärte die Sache schließlich schallend lachend auf; der Begriff des „Diensttischtuchs“ hielt sich aber noch über Jahre in der Werft……


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