Urlaub in der Provence

Gepostet von
14. Oktober 2017

Ich habe schon lange einen Urlaub in Frankreich ins Auge gefasst. Zum einen, weil ich die Sprache interessant finde und andererseits wollte ich meinen bisher erworbenen, und leider bescheidenen, Sprachschatz einmal wirklich ausleben. Was den Frankreichurlaub betrifft, schieden sich in vielen Schilderungen die Geister. Die einen schwärmten von der französischen Küche und dem Reichtum, der diesem Land innewohnt. Die anderen setzten dieser Leichtigkeit mit erlebten Sprachbarrieren und einer gewissen Unhöflichkeit auf Seiten der Franzosen entgegen. Um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, wählte ich als Reiseziel, no na ned – die Provence!

Der erste Blick aufs Meer

Am Vortag der Abreise, die wir mit dem Auto antraten, war ich furchtbar nervös. Hunderte Phrasen gingen mir durch den Kopf. Sämtliche Klischees und zum Teil hohe Erwartungen bereiteten mir eine schlaflose Nacht. Ich hatte, glaube ich, viel zu viele französische Filme gesehen. Eine überprortionierte Vorfreude mit noch ungelebten Glücksgefühlen. Perfekt!
Wir fuhren um 3 Uhr früh los. Vorbei an Udine, Verona bis zum Gardasee hielt mein Freund mit mir als Beifahrerin ganz gut die Spur und seine Hoffnung, dass ich meine Stellung bis Brescia wechsle und mich hinters Steuer begebe, schwand mit meinem anhaltenden Wachzustand.

Nackte Ansichten

Als wir die französische Grenze passierten, begegnete mir die grüne Küstenlandschaft um Menton, und die Sonne glitzerte im tiefblauen Meer. Irgendwie wars fast schon ein wenig kitschig und trotz meines Schlafdefizits konnten meine Augen gar nicht genug Bilder aufnehmen. Reizüberflutet kurvten wir um Monaco und fuhren durch die engen Gassen in Cap d’Ail.
Unser erster Urlaubszwischenstopp.

Offensichtlich ist hier einiges Geld zu Hause. Ein Haus ist schöner und luxuriöser als das andere. Alle mit Meeresblick und dazu scharfe, kantige Felsen entlang der Küste.

Mir blieben alte Berichte über die französische Riviera in Erinnerung. Jetzt vermisste ich ein bisschen meine (kroatische) Vorstellung von Sonne, Strand und Meer. Unsere Unterkunft war in einem sehr privaten Rahmen, und die Gastgeber sehr freundlich und redselig. Wir gingen ein bisschen spazieren und endeten in einer kleinen Strandbar mit exorbitanten Preisen.
Hurra, wir sind angekommen.

Nizza und seine Köstlichkeiten

Die ersten drei Tage unseres Urlaubs verbrachten wir vorwiegend in Nizza und am Plage Mala. Wir ließen aufgrund des starken Verkehrs und der sehr hohen Parkgebühren unser Auto in dieser Zeit einfach auf unserem Privatparkplatz. Die Tickets nach Nizza waren für unsere Verhältnisse wirklich günstig, und die gute Verkehrsanbindung mit dem Zug bot uns ausgiebige Abstecher bis in die späten Nachtstunden. Nizza zeigte sich von einer offenen, jungen und multikulturellen Seite. Ich habe noch nie so viele unterschiedliche Modestile an Jung und Alt gesehen wie hier. Die Tage am Meer waren etwas begrenzt und bescheiden. Der Strand, eher klein, überschaubar und etwas überfüllt –  aber so intim wie hier, war ich mit der französischen Sprache noch nie, und die Kombination mit dem wunderschönen Wetter und dem Ausklingen meiner Reiseeuphorie hatte wirklich etwas Besonderes.

Wir setzten unsere Reise fort, verabschiedeten uns von der Welt der Reichen und Schönen und fuhren weiter ins Landesinnere. Der Kontrast zur Landschaft war gewaltig subtil. Während das Bild der aussichtsreichen Küstenstraßen, die sogenannten Corniches der Oleander prägte, säumten unzählige Platanen die Alleen in Vaucluse. Mit jedem Kilometer, den wir zurücklegten tauchten wir ein in eine Landschaft die reich war an natürlichen Ressourcen und unbelastet von Stress und Hektik. Bei der Ankunft unserer Herberge, einem alten Weinchateau aus dem 17. Jahrhundert, stellte sich jede Zelle meines Körpers auf Standbymodus.

Spätestens jetzt warfen wir all unsere übereifrigen Reisepläne über Bord und versprachen uns gegenseitig, den Urlaub auf das Wesentliche zu beschränken. Gut Essen, nette Gespräche und ein Eintauchen in die Schönheit der umliegenden Umgebung. Mit dieser Doktrin verbrachten wir unsere schönsten Ferien, die wir bis dahin gemeinsam verbringen durften. Selbst mein Freund, der bis dahin eher schlechte Erfahrungen mit Frankreich gemacht hatte, wurde im Laufe dieser Tage zum regelrechten Liebhaber Frankreichs bzw. der Provence.

Wir erlagen beide der Galanterie unserer Gastgeber und dem stets stillenden Appetit auf mehr. Mein Versuch Französisch zu sprechen, fiel mir deswegen etwas schwer, weil mir die Sprachbarriere mit Englisch in vielen Fällen erleichtert wurde. Natürlich ist mir die Annäherung am Besten übers Essen gelungen und mit den Kellnern habe ich immer viel gelacht. Was bleibt da anderes zu sagen außer „Je suis plus content“ und „À bientot“.
Frankreich ist für uns sicher wieder eine Reise wert.