Rota Vicentina – Ein Streifzug auf dem Weg der Fischer: „Caminho des Pescadores“

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3. April 2020

Etwa 400 Kilometer weit erstreckt sich die Rota Vicentina, ein Wandernetz an der altlantischen Küste Portugals. Dieses Naturgebiet im südwestlichsten Teil Europas, durchzieht die Regionen Alentejo und Algarve und ist in seiner Einzigartigkeit kaum zu übertreffen. Am Rande einer mediterranen Vegetation erreicht eine nordatlantische Brise gelebte Einfachheit. Die zwei Hauptwanderrouten bilden zum einen, der „Caminho Histórico“ von Santiago do Cacém bis zum Kap Cabo de São Vicente und zum Anderen, der Fischerpfad:
eine Strecke, mit einer Länge von etwa 100 Kilometern, ausschließlich für Fußwanderer mit höheren physischen Anforderungen! Es gibt verschiedene Etappen, die nie länger als 25 Kilometer und innerhalb eines Tages zu bewältigen sind.

 

Wir waren im Herzen. Am bezeichneten Fischerpfad. Lange habe ich gebraucht um dieses Gefühl am Weg in Worte zu fassen. Und vielleicht ist der Zeitpunkt – eben Jetzt! – gerade der Richtige. Weil gerade in Zeiten in denen wir uns bewusst werden über die Widerstände unseres Überflusses und dem vielgelebten Alltag, die Worte und die Schönheit der wirklich wertvollen Dinge geradezu herausströmen. Die wesentlichen Dinge bleiben nicht im Verborgenen. Sie fließen raus! Sie werden gelebt.

 

Also, los geht´s!

 

Insgesamt gibt es 4 Etappen am Fischerpfad:

 

Etappe 1: Porto Covo – Vila de Milfontes

Etappe 2: Vila Nova de Milfontes – Longueira/Almograve

Etappe 3: Longueira/Almograve – Zambujeira do Mar

Etappe 4: Zambujeira do Mar – Odeceixe

 

Wir erreichten Portugal. Das Land der Sonne und der Stille.

Nach ein paar Tagen Akklimatisierung fuhren wir mit dem Taxi und den wichtigsten Habseligkeiten zu unserem Ausgangspunkt : Longueira/Almograve

 

Aufgrund konditioneller Überlegungen entschieden wir uns für einen Wandertrip auf zwei Etappen an zwei Tagen.

 

Longueira/Almograve – Zambujeira do Mar: 22 KM

 

Am Startpunkt in Longueira/Almograve

 

Der erste eindrucksvolle Moment, einer von Vielen!

Nicht wissen, was uns erwartet – außer, ein scheinbar endlos langer, sich schlängelnder Streifen Küste und ein kleiner Steg in Richtung Ozean. Eingetragene Wanderschuhe, ein Tramping-Rucksack, viel Luft und wage Lust auf Mee(h)r.

 

Ein willkommenes Schild schenkte uns die Gewissheit, dass wir am rechten Weg waren und das sehr sonnige Wetter erfüllte sämtliche Erwartungen an ein bevorstehendes in Haut gefärbtes Abenteuer.

Wir waren bereit!

 

Mit den ersten 1000 Schritten hatten wir begonnen die Heimat gedanklich hinter uns zu lassen. Die Sandkörner rotgefärbter Dünen zeichneten ihre ersten Spuren auf unseren Unterschenkeln und die mühsamen Schritte (auf dem Sandweg) stellten uns auf den kommenden Weg ein. Sehr Motiviert waren wir da nicht! Aber da mussten wir durch…

 

Nach ein paar Kilometern verschwanden die Gespräche im Hintergund und die Farben am Weg machten sich bemerkbar. Grün, Weiß, Gelb, Pink inmitten einer rötlichen Steilküste. Zistrosen, Flockenblumen und Wegerich und der sich einschleichende Duft von Honig und Nektar.

 

Und dann eine Pause. An einem Ort, den selbst Google nicht findet. Irgendwo am Weg. Irgendwo im Nirgendwo, in einer alten Welt. Wo man Ihnen begegnet. Den Menschen am Meer. Den Fischern, den Alten… den Kartenspielern, bei denen du glaubst du kommst von einem anderen Stern. Und du bist versucht, ein Bild zu machen.

Aber du störst nicht die Ruhe in ihrer Idylle. Du bestellt respektvoll eine sehr kleine Tasse Kaffee, schenkst ihnen einen Blick. Isst deinen Pausensnack und trinkst deinen Espresso den du so manierlich bestellt hast, draußen bei den kleinen Tischen.

Und da hast du Portugal das erste Mal gespürt.

Im Nirgendwo, mal schnell Kaffee bestellt

 

Zurückhalten und festhalten. Sich weiterbewegen und den Weg fortsetzen.

Was weiter geschah kann ich nicht mehr ganz nachvollziehen. Wir sind einfach marschiert. Eine unendlich lange Straße auf (un)scheinbaren Wegen. Die Beine wurden müde. Im Hinterkopf der Ort an dem du ankommen wirst. Ein Platz zum Niederlegen. Die kleine Rettung, dein vorbestelltes Hostel und irgendein Restaurant.

Schnell eine warme Mahlzeit für den großen Hunger. Fischlastig, eintopfartig und etwas zu weich gekochtes Gemüse. Rechnung bezahlen. Schlafen. Und mit gefülltem Magen von der Erde träumen, die du gespürt hast.

 

Zambujeira do Mar

Kapelle Nossa Sentora de Mar

 

 

Wir standen auf und aßen Weißbrot mit Schinken und Käse und dazu Kaffee zum Munter werden in einem kleinen blau gefärbten Frühstücksraum, gegenüber eine Wandergruppe von Freundinnen reiferem Alters, die redeten. Wir packten unsere Habseligkeiten und die zubereitete Jause für den nächsten Weg und verzogen aus unseren Zimmern.

 

Am Strand lebte menschenleer ein Dorf mit einer bescheidenen Kapelle.

 

Wir machten Fotos und erfreuten uns an den für die Küste typischen Gesteinskluften. Aus der Erde ausbrechende Felsbrocken, die wie tiefe Schnitte die Grenze zwischen Strand und Meer schneiden.

 

Zambujeira do Mar – Odeceixe: 18 KM­­

 

Als wir etwa einen Kilometer entfernt waren, blickten wir zurück.

Oh wie wunderschön war Zambujeira!!

Es war wie ein Abschied und gleichzeitig war all die Anstrengung aus unseren Gesichtern verschwunden.

 

Wir waren bereit für die nächste Etappe.

Wenn ich daran zurückdenke, waren es wohl die inspirativsten Stunden mit einer mir fremden Natur die ich jemals hatte. Die Küsten waren nach wie vor ewig kurvenreich, doch die Strände boten sich in ihrer gesamten Schönheit. Man möchte meinen, alle wären gleich gewesen. Doch bot sich an jeder einzelnen Stelle ein individueller Rückzugsort.

 

Plötzlich sahen wir die Weißstörche, die ihre Nester in die Felsnischen bauten – und die Felsen, umringt von peitschenden Wellen, die unten in der Tiefe Schaum schlugen. Auf unserem Plateau wirkten die Störche so zuversichtlich. Es war schön anzuschauen.

 

Langsam führte uns der Weg zu steilen Abstiegen mit weißen Sandstränden und gründurchwachsenen Dickichten – kleinen Wasserfällen, die dem Meerlauf entgegen plätscherten. Die Pfade wurden breiter und kultivierter.

 

Irgendwann führte der Weg ins Landesinnere. Brachliegende Stämme inmitten von Kiefernwäldern boten uns die Gelegenheit den mitgetragenen Sand aus den Schuhen zu entleeren. Vorbei an Feldern, in denen die Arbeiter der Ernte nachkamen, tauchten wir im Schatten der Johannisbrotbäume wieder in die Zivilisation ein. Das Ziel war schon zu sehen, früher als erwartet.

 

ODECEIXE. Die kleine Strandinsel. Unser Mietauto.

Nur noch kurz durch den Fluss gewatet und die Welt hat uns wieder.
Sich ausbreiten am Strand unter ein paar von vielen.
Ein Bier oder Wein trinken, eine Kleinigkeit essen.
Einfach Ankommen, am Ziel.

Odeceixe

Ziel Erreicht