Das versunkene Dorf

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28. Februar 2016

Expedition mit Seltenheitswert: Aus den Fluten des für einige Wochen abgelassenen Freibacher Stausees in Kärnten ist ein 1957 verschwundenes Dort wieder aufgetaucht.

Von Georg Lux (Text) und Helmuth Weichselbraun (Fotos)

Durch einen erst seit wenigen Tagen leeren Stausee zu marschieren, ist KEIN Spaziergang. Wir waren zwar mit Gummistiefeln „bewaffnet“, mussten uns aber mehrmals gegenseitig aus dem Schlamm ziehen. Trotzdem ist alles gut gegangen und diese im Februar 2016 veröffentlichte Reportage für die Kleine Zeitung dabei herausgekommen:

 

Die Eisschollen erinnern an das Polarmeer. Allerdings fehlen das Wasser und die Nähe zum Nordpol. Wir stehen in Kärnten, mitten im derzeit trockengelegten Freibacher Stausee zwischen St. Margareten im Rosental und Zell Pfarre. Die Kelag hat das Wasser, insgesamt mehr als fünf Millionen Kubikmeter, abgelassen, um Revisionsarbeiten an den Anlagen durchzuführen. Das Becken ist leer – bis auf einen kleinen Teich, in dem der Fischbestand überlebt, die Eisschollen und ein Fenster in die Vergangenheit.

Durch die Trockenlegung sind die versunkenen Häuser des Dorfes Homölisch wieder aufgetaucht. Die sieben Anwesen mussten 1957 von ihren Bewohnern verlassen werden, als man den See angelegt hat. „Entlang des nun aufgestauten Freibachs hat es 800 Jahre lang Mühlen und Sägewerke gegeben“, sagt Hermann Orasche. Der Amtsleiter der Gemeinde St. Margareten und Kenner der Geschichte des Tales kann auch erklären, woher der Freibach seinen Namen hat. „Er ist im Mittelalter einer der wenigen Bäche in Kärnten gewesen, dessen Fischereirecht nicht vergeben war. Jeder durfte hier frei fischen.“

 

Burgi und Max Wassner stehen staunend im sonst bis zu 30 Meter tiefen See, in dem sie im Sommer baden: „Wir wohnen gleich daneben. Es kommt nur alle zehn bis 15 Jahre vor, dass das Wasser komplett abgelassen wird.“ Die aufgetauchten Ruinen sind von tausenden Muscheln übersät. Ein Keller mit einer Holzdecke tut sich auf, davon halten wir jedoch sicherheitshalber Abstand. Normalerweise ist das versunkene Dorf das Ziel von Tauchausflügen, jetzt tummeln sich dort Spaziergänger.

Aber Achtung: Abseits der Eisschollen sind nicht alle Bereiche des trockengelegten Sees wirklich trocken! Auch mit Gummistiefeln läuft man Gefahr, im Schlamm stecken zu bleiben. Ende Februar will die Kelag den Stausee wieder füllen.

Buchtipps

Georg Lux und Helmuth Weichselbraun haben im Verlag Styriabooks die Bücher „Kärntens geheimnisvolle Unterwelt – Stollen, Höhlen, verborgene Gänge“ (2013) und „Gold in Österreich – Eine Schatzsuche“ (2015) veröffentlicht.